YOGA

Was ist Yoga

Yoga ist eine der sechs klassischen Philosophien Indiens und gleichzeitig eine vollständige und praktische Methode, um Körper und Geist zu reinigen, zu stärken und so auszubalancieren, damit die ursprünglich bestehende Einheit (in Sanskrit = Yoga) mit dem inneren Selbst (Seele) wieder bewusster erfahren werden kann. Je mehr diese Einheit wahrgenommen wird, desto mehr wirkt es sich auf Körper und Geist aus: die körperlich-geistige Ruhe nimmt zu und bewirkt eine Stärkung der Gesundheit, eine Erneuerung der Energien sowie einen stärkeren Zugang zum eigenen spirituellen Bewusstsein. Die Definition von Yoga wird im 2. Sutra (Lehrsatz) des Weisen Patanjali gegeben und lautet wie folgt:

'Yoga ist das zur Ruhe kommen der
Bewegungen (Gedankenwellen) des Geiststoffs'

Jede Art von Yoga sollte also immer zu dieser Ruhe im Geist führen, unabhängig davon wie die entsprechende Yoga-Art ausgeführt wird; wird Yoga aber nur auf das rein Körperliche reduziert ist der eigentliche Sinn von Yoga verfehlt.


Klassisches Hatha-Yoga im Unterricht

Das klassische Hatha-Yoga umfasst Asanas (körperliche Stellungen), Mudras (Asanas mit bestimmtem Atemrhythmus) und Pranayama (Atemübungen); es gibt zudem noch bestimmte Verhaltens-Empfehlungen für eine bewusstere und ausgeglichener Lebensweise im Umgang mit sich selber und der Gesellschaft.

 

Für die Asanas, Mudras sowie auch das Pranayama sind weder Vorkenntnisse noch körperliche Beweglichkeit erforderlich, sie sind einfach zu erlernen und umzusetzen. In unserer Yoga-Tradition wird während den Übungen das Bewusstsein nach Innen gelenkt, um alle Bewegungen konzentriert und in einem entsprechend ruhigen Bewusstseins-Zustand auszuführen. Dies bewirkt die gewünschte geistige Ruhe auch während den körperlichen Übungen.


Aufbau einer klassischen Hatha-Yoga Lektion

Eine klassische Hatha-Yoga Lektion beinhaltet sowohl die Übungen des Hatha-Yoga wie auch Konzentration und eine 10 minütige Schlussentspannung bzw. Schlussmeditation. Die praktische Umsetzung und die entsprechenden Wirkungsbereiche der einzelnen Stufen sind am folgenden Aufbau einer Hatha-Yoga-Unterrichtssequenz ersichtlich, wobei zwischen den einzelnen Übungen (asanas) jeweils eine entsprechende Ruhepause (shavasana) erfolgt:

 

A. Zurückziehen des Bewusstseins nach Innen / Anfangsentspannung (pratyahara)

  • Loslassen der äusseren Welt
  • Innere Achtsamkeit
  • Ruhen im Inneren

B. Atemübungen (pranayama)

  • Bewusstes Atmen
  • Ausgleich des gesamten pranas (kosmische Energie) im Körper
  • Geistige und körperliche Entspannung
  • Innere Klarheit

C. Körperliche Stellungen (asanas)

  • Stärkung der allgemeinen Gesundheit
  • Lösen von Verspannungen im Rücken und Nacken
  • Stärkung der Wirbelsäule
  • Verbesserung der Durchblutung & Ausgleich des Blutdrucks
  • Stabilisierung des Kreislaufs
  • Erholung des Nervensystems
  • Unterstützung der Verdauung

D. Körperübungen mit spezieller Atmung (mudras)

  • Verbesserung des Energieflusses im Körper
  • Anregung der Drüsenfunktionen
  • Geistige und spirituelle Kraft

E. Konzentrationsübungen (dharana)

  • Reinigung & Entspannung für die Augen
  • Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
  • Stärkung der Willenskraft
  • Stärkung des mentalen Gleichgewichts

F. Meditation (dhyana)

  • Ruhe und Zufriedenheit im Herzen
  • Lebensfreude & Motivation
  • Öffnen des spirituellen Bewusstseins

Zum Begriff 'Hatha-Yoga'

Im klassischen Ashtanga-Yoga werden die Stufen eins bis vier bzw. fünf Hatha-Yoga genannt. Die symbolische Bedeutung des Sanskrit-Begriffs Hatha bzw. Hatha-Yoga im klassischen Yoga ist folgende:

 

Ha bedeutet 'Sonne, Tha bedeutet 'Mond', Yoga bedeutet 'Einheit'. Hatha bedeutet die Verbindung von Sonne und Mond. Hatha-Yoga meint die Vereinigung von 'prana' (Luftart), dessen Name von der Sonne kommt und 'apana' (Luftart), dessen Name sich vom Mond herleitet. Hatha-Yoga bedeutet auch den Ausgleich zwischen dem Mondnerv 'ida' (= passive Seite des Menschen) und dem Sonnennerv 'pingala' (= aktive Seite des Menschen). Wenn diese beiden Nervenströme gleichermassen angeregt werden, wird ein ausgewogener Zustand herbeigeführt, der weder durch Überaktivität noch durch übermässige Passivität gekennzeichnet ist. In diesem Zustand ist 'sattva guna' aktiv. 'Sattva guna' ist eine das Selbst enthüllende, bewusste Energie. Wenn 'sattva' aktiv ist, entstehen Wissen, Frieden, Reinheit, Segen und Glück. In diesem Zustand ist es einfacher, nach Innen zu gehen und die Einheit mit 'Atma' (Seele) zu erreichen.

(aus 'Yogamrita - die Essenz des Yoga).

Anmerkung: Moderne Yoga-Arten tendieren dazu, das Sanskrit-Wort 'Hatha' rein wörtlich zu übersetzen mit 'Kraft, Hartnäckigkeit, Unterdrückung'; sie deuten 'Hatha-Yoga' als eine kraftvolle Form des körperlichen Yoga, was nicht der klassischen symbolischen Bedeutung entspricht.


Ashtanga-Yoga, der achtstufige Weg des Yoga

Der Yoga-Weg zur Verbindung mit dem inneren Selbst (Seele) wird in den Yogasturen im sogenannten Ashtanga-Yoga definiert, dem achtstufige Weg des Yoga; er bildet die Grundlage für alle 108 Yoga-Arten. Diese acht Stufen bauen aufeinander auf, verlaufen aber gleichzeitig von der Entwicklung her gesehen auch parallel zueinander. Sie werden folgendermassen definiert:

  1. Stufe: yama / Kontrolle: 5 Grundsätze betreffend der Kontrolle im Leben
  2. Stufe: niyama / Disziplin: 5 Grundsätze betreffend der Disziplin im Leben
  3. Stufe: asana / körperliche Stellungen
  4. Stufe: pranayama / Zurückhalten oder Speichern der Lebensenergie
  5. Stufe: pratyahara / Zurückziehen des Sinnesbewusstseins
  6. Stufe: dharana / Konzentration: die Konzentration auf das innere Selbst
  7. Stufe: dhayana / Meditation: das sich Versenken in das Innere Selbst
  8. Stufe: samadhi / Erleuchtung oder Trance des Erkennens: die bewusste Einheit (Yoga) mit dem inneren Selbst